Bum Zua Parcour – Wege durch die Rauschlandschaft

Was bedeutet Rausch? Was bedeutet Risiko?

Wann ist es leiwand? Ab wann wird’s gefährlich?

…und wonach suche ich eigentlich?

Diese Fragen und mehr werden gemeinsam mit Jugendlichen beim „Bum Zua Parcour“ aufgegriffen…

…und das ist wichtig, denn die Jugend ist eine Zeit intensiven Erlebens und rasanter Entwicklung.

Risiko : Jugend :Rausch

In der Pubertät trifft rasch wachsender Erlebnishunger und langsamer ausgebildete Impulskontrolle aufeinander und öffnet so ein Zeitfenster rasanter Veränderung.

Das hat auch Sinn, denn bei all den Entwicklungsaufgaben die sich jungen Menschen in den Weg stellen, braucht es auch einen starken Antrieb Risiken einzugehen, um in der Entwicklung nicht stecken zu bleiben.

Risiko ist eng verbunden mit Rauscherleben. Diese Rauscherlebnisse können in einer Vielzahl von Themenfeldern gefunden werden, die Jugendliche für sich und ihr Risikogefühl entdecken, ausprobieren und immer wieder machen wollen wie zum Beispiel Alkohol, Handy, Gaming, Glücksspiele, usw.

Höchste Zeit also, den lustvollen Dialog über Rausch und Risiko zu suchen und Orientierung auf dem Weg durch die Rauschlandschaft zu entwickeln.

Was ist der „Bum Zua Parcour“?

Methodenkoffer zur Förderung von Rausch- und Risikobalance

Der „Bum Zua Parcour“ verbindet Rausch, Risiko, Lust und die Rolle von (guten) Freund:innen mit Spaß und aktivem Erleben. Im Tun werden gemeinsam Themen erarbeitet, reflektiert und Sichtweisen/Erlebnisse ausgetauscht.

Dies passiert in den enthaltenen Stationen des Methodenkoffers, welche aus einer praktischen Übung und Reflexionsfragen entsteht um mit den Jugendlichen in das Gespräch zu kommen.

Der Bum Zua Parcour eignet sich für viele Settings mit Jugendlichen. Er kann in Gruppen, aber auch in der Arbeit mit Einzelnen angewendet werden. Der Methodenkoffer wurde auch so konzipiert, das einzelne Stationen herausgenommen und umgesetzt werden können.

Beispiele der Anwendung des Bum Zua Parcour´s in der Mobilen Jugendarbeit:

• Im Jugendhaus wurde der gesamte Parcours aufgebaut. Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, die einzelnen Stationen gemeinsam mit ihren Freund:innen zu durchlaufen und auszuprobieren. Die Reflexionsphasen an den Stationen wurden von uns Jugendbetreuer:innen begleitet.

Bei der Station „Rauschblicke“, bei der Jugendliche kleine Alltagssituationen mithilfe einer Kaleidoskopbrille erleben, wie zum Beispiel Wasser einschenken, Telefonnummer aufschreiben, Ball werfen, usw. – zunächst alleine und anschließend mit Unterstützung einer Freundin oder eines Freundes – konnten die Jugendlichen in der anschließenden Reflexion gut benennen, was ihnen geholfen hat und was sie sich zusätzlich gewünscht hätten. Dabei wird ein wichtiges Thema angesprochen: aufeinander zu achten in Situationen, die zwar spannend und aufregend, gleichzeitig aber auch überfordernd oder riskant sein können.

Die Station „Aufeinander Zufallen“eröffnet einen Raum, in dem Jugendliche ihre eigenen Grenzen in einem geschützten Setting ausprobieren können und gleichzeitig auf ihr Gegenüber achten müssen. Fragen wie „Wie geht es mir?“, „Wie geht es meinem Gegenüber?“ oder „Kann ich noch weitergehen oder überschreite ich dabei meine eigenen Grenzen oder die der anderen Person?“ stehen dabei im Mittelpunkt. Bei dieser Übung stehen sich zwei Personen gegenüber und lassen sich mit ausgestreckten Armen aufeinander zufallen. Der Abstand kann dabei schrittweise vergrößert werden, und wer möchte, kann die Augen schließen.

• Im Rahmen der Streetwork-Arbeit hatten wir die Station „Risikobarometer“ dabei. Mithilfe dieses Instruments ordnen Jugendliche verschiedene Themen und Situationen nach ihren persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen den Bereichen Komfort, Risiko oder Gefahr zu. Anschließend werden diese Einordnungen gemeinsam in der Gruppe reflektiert und besprochen.

Unser Thema war dabei „Orte für Jugendliche im öffentlichen Raum“. Die Jugendlichen konnten in der Gruppe herausarbeiten, was ihnen an öffentlichen Orten wichtig ist, um sich dort wohlzufühlen. Dabei wurden beispielsweise Fragen diskutiert wie: Ist es wichtig, dass Orte nachts beleuchtet sind? Wie ordnest du einen Ort ohne Beleuchtung ein? Welche Rolle spielen Sitzgelegenheiten in Parks oder bei Sportplätzen?

• Auch in Beratungssituationen wurde der Bum-Zua-Parcours bereits eingesetzt. Themen wie beispielsweise der Handykonsum lassen sich mithilfe des Zonenmodells gut betrachten und reflektieren. Dabei wird gemeinsam überlegt: Ab wann wird ein Verhalten riskant oder gefährlich? Und wann bewegt es sich noch im Bereich der Komfortzone?

Der BZP wurde im Rahmen von RLCjugend, mit der Unterstützung des Landesjugendreferats Niederösterreich entwickelt. Der BZP basiert auf dem risflecting® Ansatz zur rausch- und risikopädagogischen Begleitung.

Martin Dworak

Seit 2009 Mitglied des risflecting-Pools mit Schwerpunkt auf Rausch und Risiko in Bewegung, seit 2021 Leiter des Studienwegs risflecting®.