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MIT WEITBLICK NACH VORN | WAS BLEIBT NACH DEM (CORONA-)BREAK?

MIT WEITBLICK NACH VORN | WAS BLEIBT NACH DEM (CORONA-)BREAK?

Langsam gibt es einen Kurswechsel, langsam geht’s wieder etwas aufwärts und es ist Licht am Ende des Tunnels in Sicht. Was bleibt, wenn wir einen Blick zurück werfen auf die vergangenen Monate? Abgesehen von wirtschaftlichen Herausforderungen, persönlichen Problemen, aber auch von der unglaublichen Resilienz Vieler? Was lernen wir, wenn wir das Ganze aus der Sicht der Unfallprävention betrachten? 

Die letzte Zeit, in der teilweise alles still gestanden ist, zeigt beispielhaft auf, was geschieht, wenn eben auch in der Unfallprävention nichts läuft. Wenn den Menschen, in diesem Fall zum Schutz der Allgemeinheit, die Möglichkeit des Handelns genommen wird und sie sich in einer vermeintlich sicheren Blase aufhalten (sprich Lockdown). Vergleichbar sind die Auswirkungen mit anderen Beispielen, wenn etwa die finanziellen Mittel für die Unfallverhütung fehlen, oder auch wenn Eltern ihre Kinder helikoptermäßig überbehüten. Wenn also einfach der Freiraum  zur Entwicklung eines gesunden Riskobewusstseins nicht gegeben ist und wir uns nur in der Komfortzone bewegen…

Was das Beispiel Coronakrise betrifft, gibt es rückblickend zwei Seiten zu betrachten: einmal die Notwendigkeit des Herunterfahrens des Systems, auf der anderen Seite aber das, was dabei auf der Strecke geblieben ist. Darüber wollen wir kurz nachdenken.

Ein Blick in die Zukunft zeigt auf, dass gerade im Unfallbereich, und der ist nun mal unser Metier bei Sicheres Vorarlberg, die vorher bestehenden Risiken und Gefahren dieselben geblieben sind und sich von Corona nicht einschüchtern lassen haben. Im Gegenteil, die Abstinenz der Unfallpräventionsarbeit in den vergangenen Monaten wird zweifellos ihre Auswirkungen haben und auch zeigen. Die Rechnung ohne den Wirt zu machen, würde hier nicht von scharfem Verstand zeugen. 

Alle Programme und Veranstaltungen mit präventivem Hintergrund mussten in den letzten Monaten abgesagt werden. Kinder (und Erwachsene) konnten kaum Erfahrungen im Umgang mit Risiken machen. Außer natürlich in Bezug auf das scheinbar einzig gegenwärtige Thema Corona. Ein markantes Beispiel dafür sind alle abgesagten Schwimmkurse. Das überlebenswichtige Schwimmen konnten die Kinder nicht erlernen. Die Fähigkeit, die vor dem Ertrinken schützt, fehlt ihnen. Hier schützt keine Maske und kein Selbsttest. Das einzige was zählt sind die erlernten oder derzeit eben nicht erlernten Selbstrettungskompetenzen!

Gerade in diesen Bereichen müssen wir in den nächsten Monaten und Jahren achtsam sein. Es gilt: –look at your friends“– also genau hinschauen, wo die Defizite liegen und wie wir diese mit einfachen Mitteln wieder ausgleichen und tatkräftig an die Sache herangehen können. Wir müssen hinterfragen, was unsere Dialoggruppen versäumt haben, gerade bezüglich der Festigung ihrer Risikokompetenz, der Unterscheidung zwischen Risiko und Gefahr und der Möglichkeit zu reflektieren. Die fehlenden Kompetenzen dürfen nicht zum Selbstläufer werden! 

Unser Fazit ist dieses: 
Verbote und Einschränkungen sind einfach und kurzfristig wirkungsvoll. Was man dabei aber nie außer Acht lassen sollte, sind mögliche Neben- und Nachwirkungen, Kollateralschäden sowie Langzeitfolgen. Wer ehrlich Bilanz ziehen möchte, muss offen sein und diese nicht als gegebenes Schicksal akzeptieren.

Mario Amann, Dr. B.A. 
SICHERES VORARLBERG
info@sicheresvorarlberg.at

Fotoquelle: Sicheres Vorarlberg