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rauschblicke – auf der suche nach unterschieden.

– ein tanz mit der sprache, der ritt auf dem beat –

…zuerst war da der beat. wie ein herzschlag.   

die umsetzung eines kleinen, inspirierenden zwischenspiels in unserer arbeit mit jungen menschen gestaltete sich sehr ungezwungen und experimentell. es ist noch nicht all zu lange her, fand statt, bevor brachial und allesübergreifend entwicklungen in ihre und unsere lebenswelten eingebrochen sind. das herz dieses unterfangens, die strategie, die von den jugendlichen hier angewand wird, ist aber eine, die sie auch durch diese zeiten trägt und aus ihnen selbst herauswächst. und immer wieder neuen nährboden findet. sie ist höchst flexibel.

in den räumen eines jugendzentrums wird ein gerät positioniert, das durch diverse schalter einen beat erzeugt, der durch einfache handbewegungen modifiziert werden kann und lautstark durch den raum hallt. in einer endlosen schleife. die beteiligten personen streifen durch den raum und an das gerät, sie werkeln dran herum, bis da dieser fertige beat ist, der für die nächsten 3 stunden die rolle einer begleitung übernimmt. die beteiligten haben etwas gemeinsames, rudimentäres erzeugt, auf dem sie jetzt reiten wollen. hier kann nun etwas wachsen.

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Der Sprung

Hatte ich vorher schon so eine Ahnung, dass in diesem zweiten Teil der risflecting-Weiterbildung etwas Wichtiges für mich persönlich geschehen würde. Das Gefühl im Bauch, dass etwas Entscheidendes näher kommt, nahm die Tage vorher zu. Als ich in der Mail mit den Dingen, was mitzubringen sei, das Wort „Outdoorbekleidung“ las, wurde das Gefühl intensiv. Es brachte mich alleine beim Lesen in die Gefahrenzone.

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Konsumbalance versus Abstinenz?

„Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden, unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und Herrlichkeit Amen“. Unzählige Male habe ich dieses Gebet ausgesprochen. Mal ganz laut, mal ganz leise. Als kleines Kind mit meinem Vater, aber auch mit meinen eigenen Kindern 35 Jahre später beim gemeinsamen Gottesdienst. Aber ganz ehrlich: den Teil mit „und führe uns nicht in Versuchung“ habe ich meistens gedankenlos ausgesprochen. Ich habe ihn nicht wirklich verstanden und erst recht nicht hinterfragt. Ich habe das Risiko, die Gefahr aber auch die Chance dieses einen Satzes nicht erkannt. Ich habe nicht bemerkt, welche Sprengkraft dieser eine Satz besitzt. Sprengkraft in Bezug auf mich, meinen Glauben, mein Bild von Gott und Kirche, aber auch mein professionelles Handeln in meiner Arbeit innerhalb der Suchthilfe. Ich bringe diesen Satz in Bezug zu Rausch, Abstinenz, Suchtmittel und Konsum im Allgemeinen und ob ich an einen Gott möchte, der mich vor Erfahrungen bewahren möchte.

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Pandemiologie

Das zentrale Element der Verschiebung zeigt sich in einer Krise an vielfältigen Stellen. Neben dem Effekt, dass die implementierte Angstursache verschoben und ebenso suggeriert wird, kommt es auch im Wertesystem zu immensen Tektoniken im Außen. Prinzipiell eine gute Gelegenheit für Dekonstruktion und Neuerschaffung. Doch wie spielt die Angst hier hinein?

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Graubereiche, “Gottes Eindeutigkeit” und der Mut zur ungewissen Vielfalt

Schwarz – Weiß – Grau

In einer anderen Zeit. Ein Mann ist auf dem Weg zwischen zwei Siedlungen seines Stammes. Er trifft auf einen ihm Unbekannten. Beide sind bereit den jeweils Anderen zu töten… und beginnen ein langes Gespräch, um mögliche Verwandtschaften herauszufinden, die das Band des Vertrauens knüpfen und einen Kampf auf Leben und Tod verhindern können.

Der Forscher Jared Diamond beschreibt im Buch “Vermächtnis” am Beispiel mehrerer noch existierender Stammesgesellschaften, deren aufwendige Rituale um Graubereiche herzustellen, die es ermöglichen jemanden “eigentlich Fremden” als vertraut genug anzusehen um ihn nicht attackieren zu müssen.

Graubereiche zu haben ist ein enormer Fortschritt in der Menschheitsgeschichte.  Moderne Gesellschaften verlagern die Schaffung von Grauzonen weg von einzelnen Individuen, hin zu Gesetzen, Institutionen und Strukturen. Dadurch ermöglichen sie so vielen Menschen wie nie zuvor, friedlich auf engstem Raum zu leben, obwohl sie einander fremd sind. Dass sich nicht aus jeder Begegnung in der Stadt diese Notwendigkeit ergibt Graubereiche erst aufwendig zu eröffnen, ist eine zivilisatorische Leistung, die die Risikozone sozialer Interaktion enorm ausgedehnt hat.

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Corona und Suchtprävention

Was hat das alles mit Suchtprävention zu tun?

Die aktuellen Entwicklungen verändern unsere Lebenswelt. So bringen die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus Einschnitte und Einschränkungen auf allen Ebenen mit sich. Im privaten Bereich stellen sich folgende Fragen: Wie gehe ich persönlich mit den Entwicklungen um? Welche Risiken gehe ich weiterhin ein? Beruflich bedeutet das: Wie strukturiere ich meinen Arbeitsalltag um und wie geht es mir damit? Wie erreiche ich meine Dialoggruppen, wenn persönliche Termine schwierig werden? 

Suchtprävention ist wichtig und richtig

Was hat Corona aber mit der tatsächlichen Arbeit in der Suchtprävention zu tun?

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Sexuelle Verschiebungen…

“Im Nachhinein betrachtet, war es nicht so wichtig
Doch es fickt nun mal deinen Kopf, wenn du noch nicht gefickt bist”

Antilopengang „Bang Bang

Sexualität in der Lebenswelt Jugendlicher (und darüber hinaus) zeigt sich als zwischen Überdosis und Tabu hin und her gerissen.

Von der Krone-Seite-7, über Werbung bis hin zu einschlägigen Internetseiten, ist Sexualität eine Rauschquelle, deren Zugang sehr leicht zu bekommen ist. Gleichzeitig wartet auf der anderen Seite ein Tabu, über das geschwiegen wird. Wenn es um die individuelle Gestaltung, das Entdecken & Erleben von Sex abseits von comic-hafter Übersteigerung und um Ängste & Hoffnungen geht, fehlen oft die Worte, ebenso wie geduldige Gesprächspartner*innen. Die Erwartung alles zu wissen bevor man es erfahren kann, sorgt bei jungen Menschen für großen Druck. Verstärkt wird dieser Druck durch explizite Bilder zu allen möglichen Fantasien, die sich im Internet finden lassen.

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Muntere Bande(n): unterwegs zu einer neuen Rauschkultur

Das Virus und der Rausch in seinen mannigfachen Formen: sie leben in inniger Beziehung.  Denn was nun offenkundig wird, wenn uns die Wissenschaft einen ersten Überblick über  konstatierte Infektionsherde gibt: die kleinen starken Viren landen weltweit mit Vorliebe  dort, wo über die Stränge geschlagen wird – und leuchten damit aus, dass dies oftmals Orte  der Ausgebeuteten und Ausbeuter sind – und solche kollektiven rauschhaften Geschehens.  Apres Ski-Hütten und Karnevalstreiben stehen da für all jene, deren Betrieb seit geraumer  Zeit verboten oder eingeschränkt wird: Festivals, Stadtfeste, politische Veranstaltungen,  Nachtbars, Stadien und Sporthallen…  

Nun ist also im Sinne des Infektionsschutzes der Rausch aus dem Öffentlichen verbannt – und mit ihm Pan, der alte Gott des Triebhaften, der derart trockengelegt nur mehr röchelt:  damit er keine Tröpfchen absondern kann, darf er auch tunlichst keine mehr zu sich nehmen. 

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Was hat Corona mit risflecting® zu tun?

Was hat es auf sich mit der oft benannten Rausch- und Risikobalance, die eine wichtige Fähigkeit für Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden darstellt? Und wie kann das pädagogische Handlungsmodell risflecting® gerade in Krisenzeiten hilfreich sein? Die Corona-Zeit ermöglicht, den Blick auf alltägliche Dinge zu verändern und vielleicht auch zu schärfen.

Das folgende Interview (Themenheft 58) zwischen Lydia Römer und Martin Dworak wurde mit freundlicher Genehmigung der Fachstelle Suchtprävention Berlin zur Verfügung gestellt.

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